Alward neuer geschäftsführender Intendant der Osterfestspiele

2010 - Salzburger Osterfestspiele sollen neue Struktur und verbe(LK) Peter Alward wird neuer geschäftsführender Intendant der Osterfestspiele. Das gab Landeshauptfrau Mag. Gabi Burgstaller heute, Donnerstag, 11. Februar, bei einem Informationsgespräch im Anschluss an eine Sonder-Kuratoriumssitzung der Osterfestspiel-Stiftung bekannt. “Peter Alward war unser Wunschkandidat. Er bringt für diese Funktion hervorragende Voraussetzungen mit: Er kann auf jahrelange Erfahrung im Bereich des Kultur-Managements verweisen, hat bereits mit dem künstlerischen Leiter der Berliner Philharmoniker Sir Simon Rattle zusammengearbeitet und verfügt über beste Verbindungen in der internationalen Kulturszene”, sagte Landeshauptfrau Burgstaller über den neuen geschäftsführenden Intendanten der Salzburger Osterfestspiele.

“Ich bin sehr froh, dass es gelungen ist, diese Personalentscheidung in einer für die Festspiele sehr stürmischen Zeit so rasch zu treffen. Damit sind zwei wichtige Dinge gewährleistet: Peter Alward wird die weitere Aufarbeitung der mit dem Sonderprüfbericht aufgedeckten Fehl- und Misswirtschaft entschlossen vorantreiben. Und Peter Alward soll als geschäftsführender Intendant die Osterfestspiele in ruhigere Gewässer führen, der Kunst wieder zu ihrem Stellenwert verhelfen und damit den Osterfestspielen ihren weltweit geltenden Ruf als eines der führenden Kulturfestivals zurückgeben”, sagte Burgstaller weiter.

Burgstaller dankte in diesem Zusammenhang ausdrücklich den beiden interimistischen Geschäftsführern Dr. Peter Raue und Dkfm. Bernd Gaubinger für ihre “äußerst kompetente, zielstrebige und verantwortungsvolle Arbeit in der Zeit der Sonderprüfung der Osterfestspiele. Peter Raue und Bernd Gaubinger haben gemeinsam mit ‘Audit Services Austria‘ einen unschätzbaren Beitrag geleistet, ein leider jahrelang zu gut verborgenes System von Fehlleistungen im Osterfestspiel-Management aufzudecken. Sie haben damit auch tatkräftig mitgeholfen, die Grundlagen für eine erfolgreiche Zukunft der Salzburger Osterfestspiele zu erarbeiten”, so Burgstaller. Dkfm. Bernd Gaubinger wird Peter Alward im Sinn des Vier-Augen-Prinzips auf Geschäftsführer-Ebene unentgeltlich unterstützen. Prof. Raue wird die Osterfestspiel-GmbH noch bei der weiteren detaillierten Aufarbeitung des Sonder-Prüfberichts unterstützen.

Bericht über Sonderprüfung

“Die Zeit des Aufräumens ist noch nicht vorbei, es gibt bei der vollständigen und lückenlosen Aufklärung aller Verdachtsmomente auf Untreue und Betrug noch viel zu tun”, betonte Burgstaller, die die Kuratoriumsmitglieder der Osterfestspiele umfassend über den Sonder-Prüfbericht informierte. Die Landeshauptfrau teilte dem Kuratorium mit, dass sie den Prüfauftrag an “Audit Services Austria” noch um wesentliche Punkte ergänzen und erweitern wird. “Wir wollen und müssen die Recherchen vertiefen, es gibt noch eine Reihe von offenen Fragen. Dabei geht es um die geradezu exzessive Vergabe von Freikarten in den vergangenen Jahren, die Abrechnungen der Japan-Gastspiele der Osterfestspiele, die Verflechtungen der Osterfestspiele mit dem ‘European Art Forum‘ sowie die Vergabepraxis bei Aufträgen der Osterfestspiele an Drittfirmen”, sagte Burgstaller.

Die Landeshauptfrau informierte auch darüber, dass sie der Kontrolle durch den Landesrechnungshof zugestimmt und dass dieser bereits seine Arbeit aufgenommen hat.

Verstärkte Kontrolle

Landeshauptfrau Burgstaller legte dem Kuratorium der Osterfestspiele heute auch ihr Konzept einer “vertieften laufenden Kontrolle” vor. Burgstallers Vorschlag sieht einen vierteljährlichen Bericht der Geschäftsführung an den künftigen Aufsichtsrat vor. Mit diesen Berichten soll der Aufsichtsrat Kennzahlen über die Entwicklung von allgemeiner Finanzlage, langfristigen Vertragsbindungen, Personalaufwand nach Mitarbeiterstand und Gesamtkosten, Kartenverkäufen, Sponsoreinnahmen etc. bekommen. “Der Aufsichtsrat bekommt als Kontrollgremium auf diese Weise einen transparenten, nachvollziehbaren und vor allem aktuellen Einblick in die Entwicklung des Festivals. Ein Gegensteuern wird damit künftig wesentlich erleichtert”, erklärte Burgstaller. “Das Kuratorium trägt diesen Ansatz zukünftiger verstärkter Kontrolle ebenso mit wie der neue Geschäftsführer Peter Alward”, so Burgstaller.

Einmal mehr wies Burgstaller darauf hin, dass die nun durch den Sonder-Prüfbericht aufgedeckten Missstände trotz klar definierter Kontrollmechanismen und trotz alljährlicher Bilanzberichte und mehrfacher Prüfungen durch renommierte Wirtschaftsprüfungskanzleien unentdeckt blieben. Weder für das Kuratorium noch für die Gesellschafterversammlung habe es wie auch immer geartete Hinweise auf Unregelmäßigkeiten gegeben. “Mit den neuen und verstärkten Kontrollmöglichkeiten soll derartigen Fehlentwicklungen künftig ein wirksamer Riegel vorgeschoben werden”, sagte Burgstaller. Über dieses periodische Reporting hinaus will Burgstaller die externe Kontrolle verstärken, indem Aufträge an Wirtschaftsprüfungskanzleien zielgerichtet formuliert werden.

Landeshauptfrau Burgstaller rückte auch Medienberichte zurecht, wonach in den Vorjahren im Kuratorium über eine geplante Steigerung der Personalkosten von 47 Prozent berichtet worden sei. Diese Zahl hat das künstlerische Personal, nicht jedoch das Verwaltungspersonal der Osterfestspiele betroffen, stellte Burgstaller klar. “Es ging in der genannten Vorschau innerhalb eines Fünf-Jahres-Plans um die Darstellung einer möglichen Steigerung der Personalkosten im künstlerischen Bereich. Dabei handelte es sich um die Forderung der Berliner Philharmoniker auf eine finanzielle Gleichstellung mit den Wiener Philharmonikern”, erläuterte Burgstaller. Für die Ausgaben bei der Verwaltung war in derselben Fünf-Jahres-Vorschau eine Steigerung von rund 14 Prozent vorgesehen, ergänzte Burgstaller.

Neu-Strukturierung der Osterfestspiel GmbH

Land und Stadt Salzburg sowie der Salzburger Tourismus Förderungs Fonds (TFF) sollen als Gesellschafter in die neue “Osterfestspiele Salzburg GmbH” einsteigen, und zwar mit einem Gesellschafteranteil von je 25 Prozent. Die Stiftung “Herbert von Karajan Osterfestspiele Salzburg” wird künftig statt einem Anteil von bisher 98 Prozent ebenfalls mit einem Viertel an der Gesellschaft beteiligt sein. Diesen Grundsatzbeschluss fasste das Kuratorium heute. “Mit dieser Struktur und einem Aufsichtsrat soll eine zeitgemäße und übersichtliche Organisationsform der Osterfestspiele geschaffen werden”, erklärte Landeshauptfrau Gabi Burgstaller. Derzeit prüfen Experten des Landes den Entwurf des Gesellschaftsvertrags, in der kommenden Woche werde es weitere Gespräche zwischen Land und Stadt Salzburg sowie dem Tourismus Förderungs Fonds geben.

Die öffentliche Hand wird künftig eine Ausfallshaftung von bis zu einer Million Euro für die Osterfestspiele übernehmen, wobei Landeshauptfrau Burgstaller betonte, dass nur der unbedingt erforderliche Betrag gezahlt werden soll und dieser so gering wie möglich zu halten ist. Durch die Reduktion von Personal- und Verwaltungskosten sowie gleichzeitige Ertragssteigerung soll es möglich sein, die Ausfallshaftung nicht im vollen Umfang ausschöpfen zu müssen, so Burgstaller.

Die Landeshauptfrau betonte in diesem Zusammenhang die kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung der Osterfestspiele für Salzburg und verwies auf eine Studie des früheren Leiters der Wirtschaftspolitischen Abteilung der WKS und Experten für die so genannte “Umwegrentabilität” von Kultureinrichtungen und nunmehrigen Osterfestspiel-Geschäftsführers Dkfm. Bernd Gaubinger. Dieser bestätigte in einer Studie aus dem Jahr 2009, dass die Osterfestspiele ein wichtiger Faktor für die regionale Wirtschaft und damit ein unverzichtbarer Impuls für Salzburg sind. In Gaubingers Studie wurden die direkten Wirkungen, also die “Umwegrentabilität”, mit 8,2 Millionen Euro beziffert. Dazu kommen die indirekten Wirkungen der vorgelagerten Branchen des Dienstleistungs- und Produktionssektors der regionalen Wirtschaft mit noch einmal neun Millionen Euro.

“Die Gesamtwirkung summiert sich auf rund 17,2 Millionen Euro, wobei noch aus der Wertschöpfung der Osterfestspiele entstehende zusätzliche Steuereinnahmen von 2,8 Millionen Euro dazuzuzählen sind”, rechnete Gaubinger im Vorjahr vor. Besonderer Motor der wirtschaftlichen Kraft der Osterfestspiele sind deren Besucher: Mehr als 90 Prozent reisen ausschließlich für das Musikfestival an und übernachten größtenteils in den gehobenen Hotel-Kategorien. Zählt man die Übernachtungen des künstlerischen Personals dazu, stellen dort die Osterfestspiele fast 20 Prozent der im April 2008 verzeichneten Übernachtungen in Salzburg. Mit einer Aufenthaltsdauer von vier Tagen übertrifft man damit auch den Durchschnittswert von 1,7 Tagen im städtischen Tourismus. Vor allem aber das überdurchschnittliche Ausgabenniveau lassen Gastronomie und Handel auf gute Geschäfte hoffen.

Transparente Kooperation Osterfestspiele – Sommerfestspiele

Die künftige Beziehung zwischen den Salzburger Festspielen und den Osterfestspielen soll transparent und schlank gestaltet sein, die bestehenden Vereinbarungen sollen auf eine neue Basis gestellt werden, erklärte Landeshauptfrau Gabi Burgstaller weiter. “Mein Ziel ist ein transparenter Kooperationsvertrag zwischen den Osterfestspielen und den Festspielen über zweckmäßige Dienstleistungen, ganz nach dem Prinzip ‘strenge Rechnung, gute Freunde‘”, so Burgstaller. Die Osterfestspiele beziehen bei dieser Kooperation Dienstleistungen von den Festspielen, etwa im Fall von Bühnenarbeiten. Diese Dienstleistung werde den Festspielen finanziell abgegolten, darüber hinaus dürfe es keine Parallelzahlungen an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Festspiele mehr geben. Bei den Osterfestspielen, so Burgstaller, sollen die Verwaltungs- und Personalkosten wesentlich reduziert werden.

Peter Alward als neuer geschäftsführender Osterfestspiel-Intendant

“Ich sehe es als meine Aufgabe, jetzt nicht rückwärts, sondern vorwärts zu schauen. Ich werde im positiven Sinne dafür sorgen, dass in Zukunft die Schlagzeilen der Osterfestspiele im künstlerischen als auch im wirtschaftlichen Sinn eine positive Ausstrahlung haben”, sagte der neue geschäftsführende Osterfestspiel-Intendant Peter Alward. Sein Managementstil werde sich auf Teamarbeit konzentrieren, ergänzte Alward, und er fügte an, “Ich habe mit Freude aufgenommen, dass ich von vielen Seiten wohlwollend empfangen wurde, sei es von der Politik, Eliette von Karajan, Sir Simon Rattle und den Berliner Philharmonikern. Ich freue mich gemeinsam mit Sir Simon Rattle und den Berliner Philharmonikern, in fünf Wochen die Osterfestspiele in Harmonie und Einklang durchführen zu können”, sagte Alward.

Der Vertrag von Peter Alward als geschäftsführender Intendant wird vorläufig für eine Dauer von drei Jahren abgeschlossen, wobei nach einem Jahr über die Vertragsverlängerung entschieden werden soll. Künstlerischer Leiter der Osterfestspiele ist und bleibt Sir Simon Rattle, künstlerische Entscheidungen werden in Absprache mit dem neuen geschäftsführenden Intendanten getroffen, der in diesem Sinn ein Mitspracherecht hat. “Für vom geschäftsführenden Intendanten lukrierte zusätzliche finanzielle Unterstützungen der Osterfestspiele kann die Generalversammlung eine einmalige Erfolgsprämie an den geschäftsführenden Intendanten gewähren”, heißt es im heute unterzeichneten Vertrag. Die Landeshauptfrau bewertete diese Regelung im Vertrag des geschäftsführenden Intendanten als “transparentes und positives Anreizsystem. Durch die Notwendigkeit eines Beschlusses der Generalversammlung ist diese Regelung auch nicht missbrauchsanfällig”.

Berliner Philharmoniker: “Alward idealer Kandidat”

“Wir kennen Peter Alward seit vielen Jahren und freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit. Für die Neustrukturierung der Osterfestspiele Salzburg ist er durch seine große Erfahrung sowie seine gute Vernetzung innerhalb der Musikwelt der ideale geschäftsführende Intendant”, erklärte Olaf Maninger, Solocellist der Berliner Philharmoniker und Mitglied im Kuratorium der Osterfestspiele.


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